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Sonntag, 4. Dezember 2016

Kapitel 9 - Brief Vierzehn und Kriegsgeschehnisse

Meine Lieben,

Ich werde Euch wie gewohnt den Brief von Agnes wieder abschreiben. Danach gebe ich Euch noch ein paar Einblicke aus den Kriegsgeschehen im Dezember 1944. 
Es ist der einzige Brief aus Dezember 1944. Es geht auf Weihnachten zu und die Zeit ist auch sehr stressig und ereignisreich. Ich werde Euch bis Februar 1945, wo wir wieder einen Brief von Agnes vorliegen haben, mit einer außergewöhnlichen realen Geschichte, die Wartezeit verkürzen. Ihr werdet dann auch verstehen, warum Agnes so lange nichts von Alfons gelesen hat....
Ich wünsche Euch aber jetzt schon eine schöne Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest. Kommt auch gut ins Neue Jahr.

Vierzehnter Brief



Verl, den 3.12.44.

Mein lieber Alfons!

Nun ist heute schon der erste Adventssonntag. Das erste Licht am Adventskranz ist angezündet. Meine Schwester übt schon Weihnachtslieder am Klavier. Meine libe Mutter sitzt im Sofa und betet aus dem Gesangsbuch. Vater hat sich in einen Sessel gesetzt und ist mittlerweile schon eingeschlummert. 
Und ich weiß nun im Kreise meiner Lieben nichts besseres zu tun, als Dir einen lieben Gruß in die weite Ferne zu schicken. Heute morgen habe ich einen Brief, den ich gestern geschrieben hatte, abgeschickt. Ich habe so weit es mir möchlich ist, an Dich geschrieben. Hoffentlich bekommst Du auch all meine Briefe. Wenn Du meine Päckchen erhalten hast, schreib mir dich bitte sofort. Ich bin ja so gespannt, ob Du wohl etwas davon bekommst. Es wäre ja schade, um die schönen Sachen.
Heute morgen war ich wieder zur Post und noch einmal vergebens. Es (ist) sind heute vierzehn Tage, daß ich von Dir keine Post mehr bekommen habe. Das wird wahrscheinlich wohl an den unregelmäßigen Verkehr liegen. Denn ich hoffe doch, daß Du in der langen Zeit öfter geschrieben hast. Hoffentlich geht es Dir noch gut. Bei mir ist dasselbe der Fall. Nur des Sonntags ist es mir furchtbar. Immer alleine. Wie schön war es

doch wenn wir zusammen waren. Wie oft habe ich mir die schöne Zeit zurückgewünscht. Doch wird auch dieses mal geschehn. Wenn unser Herrgott Deine Schritte richtig lenkt, werden wir uns einmal wiedersehn. Denn so lange wird doch dieser fürchterliche Krieg nicht mehr dauern. Gestern war mein Bruder auch für einen Tage in Urlaub. Der ist noch immer in Herford. Er sagt, daß es dort ganz schrecklich aussehe. In der ganzen Stadt kein Haus, welches noch unbeschädigt wäre. Die Kaserne, in der er liegt, hat auch einen Volltreffer bekommen. Und zwar eine Luftmine. Zum Glück waren alle Mannschaften im Gelände gewesen. Sonst hätte es auch ein Massengrab gegeben. Hoffentlich läßt uns der Tommy hier in Ruhe und Frieden. Trotz des stürmischen und regnerischen Wetters, kommen die Flieger Tag und Nacht. Nun, lieber Alfons, will ich schnell schlafen gehen, sonst höre ich den Alarm noch. Ich wünsche Dir eine gute Nacht und grüße Dich recht herzl. als Deine Dichl. Agnes.
Einen recht lieben Gruß von meinen lb. Eltern u. Paula.


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Kriegsgeschehnisse Dezember 1944


  • 3. Dezember - Der deutsche Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erlässt eine Verfügung über die neuen militärischen Aufgaben des Reichsarbeitsdienstes, der zukünftig einen Teil der bisher vom Ersatzheer durchgeführten militärischen Ausbildung übernehmen soll.
  • Die deutsche Wehrmacht räumt ihre Stellungen bei Venlo (Niederlande).
Die nördliche Altstadt von Heilbronn nach dem Bombenangriff.
Quelle
  • 4. Dezember - Adolf Hitler empfängt Ferenc Szálasi, der seit dem Putsch vom 15. Oktober unter deutschem Schutz Staatschef von Ungarn ist, zu einer Unterredung über Fragen der militärischen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder.
  • Bei einem Angriff der britischen Luftwaffe in der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember auf Heilbronn wird die Altstadt nahezu völlig zerstört. 7147 Menschen finden den Tod.
  • Ein polnisches Sondergericht in Lublin verurteilt fünf Funktionäre des am 23. Juli befreiten Konzentrationslagers Majdanek zum Tode. Sie werden für die grausame Massenvernichtung von rund 1,5 Millionen Menschen mitverantwortlich gemacht.
  • 5. Dezember - Britische Truppen ziehen in Ravenna ein und werden von der italienischen Bevölkerung mit Begeisterung begrüßt.
  • Alle deutschen Frauen über 18 Jahren werden zur aktiven Verteidigung des Deutschen Reiches aufgerufen. Die NS-Frauenführerin Gertrud Scholtz-Klink gibt dazu die Parole aus: “Hilf dir selbst, so hilft dir Gott”.
He 162 - Salamander (Bild Wikipedia)
  • 6. Dezember - Der einstrahlige Düsenjäger Heinkel “He 162”, der den Beinamen “Salamander” trägt, startet in Wien zu seinem ersten Probeflug. Die Maschine soll serienmäßig produziert werden und die alliierten Bombenangriffe stoppen. Sie kommt jedoch wegen des Treibstoffmangels vor Kriegsende nicht mehr zum Einsatz.
  • 7. Dezember - Im Deutschen Reich wird ein “Tag des deutschen Eisenbahners” abgehalten. Zu diesem Anlass wird acht Eisenbahnern das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern verliehen.
    Friedrich Paulus
    (Wikipedia)
  • 8. Dezember - Das im Vorjahr in der UdSSR gegründete “Nationalkomitee Freies Deutschland” das auf einen Sturz des NS-Regimes hinarbeitet, fordert das deutsche Volk auf, den Krieg zu beenden. Die Proklamation trägt die Unterschriften von 50 kriegsgefangenen deutschen Generälen, darunter auch der ehemalige Oberbefehlshaber der 6. deutschen Armee, Generalfeldmarschall Friedrich Paulus.
  • 9. Dezember - In Washington wird amtlich bekanntgegeben, dass die US-amerikanischen Streitkräfte seit Beginn des Krieges 13.418 Flugzeuge verloren haben.
Otto Hahn (Quelle)
  • 10. Dezember - Der neuntägige Besuch des Ministerpräsidenten der “Provisorischen Französischen Regierung”, Charles de Gaulle, beim sowjetischen Partei- und Staatschef Josef W. Stalin in Moskau endet mit der Unterzeichnung eines französisch-sowjetischen Bündnisvertrages.
  • Adolf Hitler verlegt sein Hauptquartier in den Taunus, um die Westoffensive zu planen.
  • Der Nobelpreis für Chemie des Jahres 1944 wird dem deutschen Chemiker Otto Hahn für die Entdeckung der Kernspaltung zugesprochen.
  • 11. Dezember - Alliierte Bomberverbände fliegen einen schweren Angriff auf Frankfurt am Main.
  • Zum dritten Jahrestag des deutsch-italienisch-japanischen Waffenbündnisses wenden sich die Außenminister der Regierungen in Berlin, Salò und Tokio über Rundfunk an ihre Völker.
  • 12. Dezember - In Wien beginnt der dritte Kongress der “Union Nationaler Journalistenverbände”. Vertreter aus 22 Nationen debattieren drei Tage lang über allgemeine Fragen des “Weltkampfes” und über eine “Neugeburt Europas”.
  • 13. Dezember - Die deutschen Verbände ziehen sich angesichts der Angriffe alliierter Truppen aus dem Nordelsass zurück.
  • Filmplakat (Quelle)
  • Die Artillerieschlacht um die ungarische Hauptstadt Budapest erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt. Von Norden, Osten und Süden feuern sowjetische Truppen aus rund 10.000 Geschützen ununterbrochen Granaten in die deutschen Befestigungsanlagen.
  • 15. Dezember - Der britische Premierminister Winston Churchill unterstützt in einer Rede vor dem Unterhaus in London die sowjetischen Gebietsforderungen gegen Polen und dessen damit einhergehende Westverschiebung.
  • Helmut Käutners Spielfilm “Große Freiheit Nr. 7”, eine Geschichte aus dem Hamburger Hafen- und Nachtlokalmilieu mit Hans Albers als Hauptdarsteller, wird in Prag uraufgeführt, nachdem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den Film für das Deutsche Reich verboten hatte. Vorführungen sind nur im Ausland einschließlich des Protektorats Böhmen und Mähren zugelassen.
  • 16. Dezember - Die Ardennenoffensive, der letzte, vergebliche Versuch der Deutschen, den Ring der Alliierten im Westen zu durchbrechen, beginnt.
  • Glenn Miller (Quelle)
  • Ein einmotoriges US-Flugzeug, in dem sich der bekannte Posaunist und Leiter der US-Luftwaffen-Big-Band, Glenn Miller, befindet, stürzt über dem Ärmelkanal ab. Der Musiker und sieben weitere Insassen kommen ums Leben.
Joachim „Jochen“ Peiper
 (Wikipedia)
  • 17. Dezember - Ein schwerer Angriff der britischen Luftwaffe auf München fordert insgesamt 562 Menschenleben.
  • Eine Kampfgruppe der 1. SS-Panzerdivision “Leibstandarte Adolf Hitler” unter Obersturmführer Jochen Peiper eröffnet bei Malmedy in Belgien das Feuer auf eine Abteilung gefangener und z.T. verwundeter US-amerikanischer Soldaten. 71 Personen werden getötet.
  • In der Wüste des US-Bundesstaates Utah beginnt eine Bombereinheit der US-Luftwaffe mit Probeflügen und Abwurfübungen für den Einsatz der in den USA entwickelten Atombombe.
  • 18. Dezember - Das deutsche Linienschiff “Schleswig-Holstein” wird im Hafen von Gotenhafen (Gdingen) von alliierten Bomben getroffen und brennt aus.
    Linienschiff Schleswig-Holstein (Quelle)
  • Adolf Hitler stiftet eine neue militärische Auszeichnung, den “Warschau-Schild”, als Kampfabzeichen für alle, die in der Zeit vom 1. August bis zum 2. Oktober an den “Kämpfen in Warschau ehrenvoll beteiligt waren”.
  • In Wien wird das “Provisorische Österreichische Nationalkomitee” gegründet, in dem die verschiedenen Widerstandsgruppen des Landes organisatorisch vereinigt werden.
Filmplakat (Quelle)
  • 19. Dezember - Aus London kommen neue Meldungen über Rudolf Heß, den ehemaligen Stellvertreter des deutschen Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler, der 1941 als selbsternannter Friedensbote nach Großbritannien geflogen war und seitdem dort interniert ist. Der Geisteszustand von Heß soll sich in letzter Zeit stark verschlechtert haben, er leidet an Neurosen und Verfolgungswahn.
  • Der unter der Regie von Heinz Rühmann gedrehte deutsche Spielfilm “Der Engel mit dem Saitenspiel” mit Hertha Feiler, Susanne von Almassy und Hans Nielsen wird in Berlin uraufgeführt.
  • 20. Dezember - Die Evaluierung eines Großteils der Bevölkerung von Trier gemäß einem Erlass vom 25. Oktober ist abgeschlossen. Von den ursprünglich rund 85.000 Einwohnern sind nur noch 3.000 in der Stadt.
  • 21. Dezember - Britische Flugzeuge bombardieren Eisenbahnanlagen in Köln und Bonn.
  • Von 13 deutschen Offizieren, die aus einem Kriegsgefangenenlager in Penkridge (Großbritannien) ausbrechen, werden zwölf noch am gleichen Tag wieder gefangengenommen. Einem der Wehrmachtsangehörigen gelingt die Flucht.
    Volksturm feiert Weihnachten (Quelle)
  • 24. Dezember - Weihnachten - Der Heilige Abend im sechsten Kriegsjahr wird in weiten Gebieten des Deutschen Reiches vom Heulen der Sirenen und in den Grenzgebieten vom Schlachtenlärm begleitet. Die noch nicht zerstörten Kirchen sind überfüllt.
  • Das US-Kriegsdepartement teilt mit, dass seit der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni bis zum Heiligen Abend 800 000 deutsche Soldaten gefangengenommen wurden.
  • 25. Dezember - Der deutsche Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt erklärt die deutsche Ardennenoffensive für gescheitert. Führer und Reichskanzler Adolf Hitler fordert jedoch, das aussichtslose Unternehmen fortzusetzen.
  • US-amerikanische Kampfflugzeuge greifen Brücken und Eisenbahnlinien im Gebiet von Koblenz und Bonn an.
  • 26. Dezember - Alliierte Luftstreitkräfte unternehmen von Frankreich aus einen Angriff auf die deutschen Treibstoffwerke in Schlesien.
    Zeitschrift "Das Reich" - (Quelle)
  • 28. Dezember - In der deutschen Wochenzeitschrift “Das Reich” nimmt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels Stellung zu den Gerüchten über die Ursachen für das Ausbleiben von öffentlichen Auftritten des deutschen Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler. Er bezeichnet Hitler nach wie vor als die größte Persönlichkeit, die derzeit Geschichte mache, und weist darauf hin, dass er auch durch den Krieg nicht “älter” geworden sei.
  • 29. Dezember - Starke US-Luftverbände greifen von Italien aus Ziele in Süddeutschland und Österreich an. Bombardiert werden vor allem Eisenbahn- und Industrieanlagen.
Martin Bormann (Wikipedia)
  • 31. Dezember - Silvester - Martin Bormann, “Sekretär des Führers”, weist darauf hin, dass alle im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten beschlagnahmten Kunstwerke bei den Sachbearbeitern von Führer und Reichskanzler Adolf Hitler anzumelden seien, da dieser in Linz ein Museum errichten wolle.
  • Die deutsche Waffen-SS zählt Ende des Jahres 1944 fast eine Million Mitglieder.


So, meine Lieben, das war es mit dem Jahr 1944.
Eine tolle Zeit Euch und bis bald.

Ach ja, die kommende Geschichte ist von Alfons niedergeschrieben... Bleibt gespannt... Es ist ein einmaliges Vermächtnis, welches ich mit Euch teile.

Sonntag, 27. November 2016

Kapitel 8 - Briefe und Kriegsereignisse vom 19.11.1944

Meine Lieben,

Agnes war richtig fleißig in den letzten Tagen. So passierte es, dass sie gleich 3 Nachrichten an ihren Alfons schrieb. Allerdings fehlt beim ersten Brief ein folge Blatt. Es wird bei der Feldpost verloren gegangen sein. In unserer Sammlung war es leider nicht zu finden.
Ich schreibe Euch die Nachrichten wieder ab und füge anschließend eine Erklärung bei. Die Kriegsgeschehnisse dürfen wie immer nicht fehlen.

Elfter bis Dreizehnter Brief



 Verl, den 19.11.44.

Mein lieber Alfons!

Gerade bin ich von meinem Sonntagsspaziergang zurück gekommen. Von eins bis drei habe ich meine Schritte in Gottes freie Natur gelenkt. Ja, meine lieber Alfons, ich bin dann all die Wege gegangen, die wir oft zusammen durchwandert haben. Es war so seltsam schön und dich so einsam. Ich sah wie dort verschiedene Päärchen Arm in Arm unsre schönen Heimatfluren durchquerten. Und ich, ja war ganz allein, doch in Gedanken sah ich Dich neben mir schreiten. Habe mir dann noch einmal die schöne sonnige Vergangenheit zurückgewünscht. Hoffentlich dauert dieses nicht mehr allzulange, wo wir wieder Seite an Seite, als Stolz unserer leiben Eltern in der Heimat sein können. Ich werde nie vergessen, in jedes Gebet Dich mit einzuschließen. Denn ich weiß, für wen ich es tue. Das Bild, welches Du  mir beigelegt hast ist zwar nicht so gut geraten, wie das andere. Doch bist Du ganz schön geworden und bist doch immer noch meine lieber guter Alfons! Ich danke Dir auch vielmals für die schöne Aufnahme. Dann bittest Du mich, ich möchte Dir doch schreiben, durch wen dieses genannte Gerücht Dir unterbreitet wurde. Nun will ich Dir die Wahrheit sagen, was ich vermute. Du weißt doch, daß Deine Chousine
Wie äußerst ärgerlich es doch ist, dass wir nun nicht Agnes' Wahrheit erfahren können... Dabei wurde es doch gerade so spannend...Agnes konnte auch etwas sentimental und theatralisch sein - in ihrer Situation aber auch verständlich und keineswegs verwerflich. Die Sehnsucht schwebt in jeden Wort mit. 


Verl, den 19.11.44.

Mein lieber Alfons!
Hatte mir nun heute morgen ein paar Marken in Urlaubermarken umgetauscht. Nun wollte ich dieselben mit in den eben an Dich gerichteten Brief stecken. Habe es jedoch vergessen und den Brief schon zugeklebt. Nun will ich die Marken schnell in einen anderen Umschlag legen und sie Dir schicken. Herzliche Grüße von Deiner 
Agnes.


Verl, den 19.11.44.

Mein lieber Alfons!

Wieder einmal sind wir am Ende der Woche angelangt. Und zwar ist es nun schon fast 22 30 Uhr. Trotdem will ich Dir noch einen recht lieben Wochenendgruß in die Ferne schicken. Mir geht es noch sehr gut. Von Dir hoffe ich sicherlich dasselbe. Hast Du immer noch keine Post von mir bekommen? Ich habe doch immer geschrieben. Das liegt nur an der Postverwaltung. Hoffentlich bekommst Du meine Päckchen auch noch. Drei 100gr.-Päckchen habe ich abgeschickt, und zwei 1-Kilo-Päckchen, habe ich etwas später mitgegeben. Es täte mir leid, wenn sie Dich nicht erreichten. Wie ich Dir im gestrigen Brief schrieb, war ich am gleichen Tag bei Euch zu Hause. Du hast vielleicht schon von Deiner Mutter erfahren, daß Hubert auch fort muß. Er kommt zum Arbeitsdienst nach Radhen, bei Oldenburg. Dann sind Deine Eltern ganz alleine. Es ist nur gut, daß Dein Vater den Russen noch hat, der kann ihm doch manche Arbeit entnehmen. Er fehlt ja überall an Arbeitskräften. Sonst ist wohl alles noch beim Alten. Will nun schließen, denn ich bin müde, von den Anstrengungen des Tages. Zum Schluß sei herzl. gegrüßt und geküßt von Deiner Dichl. Agnes. Herzliche Grüße von meinen lb. Eltern u. von Paula.


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Lebensmittelkarte für Urlauber

 Erklärung der Marken

Eine Lebensmittelmarke ist ein vom Staat ausgegebenes Dokument zur Bescheinigung, dass der Besitzer ein bestimmtes Lebensmittel in einer bestimmten Menge kaufen darf. 
Im Laufe des Krieges wurde das Bestellschein-System durch ein sogenanntes „durchlaufendes Bezugsrecht“ ersetzt: Händler schnitten beim Verkauf der Ware die entsprechende Marke ab, klebten sie auf Sammelbögen und erhielten dafür dann einen Bezugsschein, den sie beim Großhändler oder Importeur vorlegten.
Kartoffeln, Obst und Gemüse wurden in den ersten Monaten noch frei verkauft. Die anfangs ausgeteilte „Einheitskarte“ wurde bald durch unterschiedliche Karten ergänzt oder ersetzt. 
Lebensmittelkarte von Alfons
Ende 1939 gab es Karten für Schwer- und Schwerstarbeiter und eine für Lang- und Nachtarbeiter. Es gab Brot-, Fleisch-, Fett-, Eier- und Marmelade/Zuckerkarten. Außerdem wurden unterschiedliche Karten für Kleinst- und Kleinkinder, für Kinder bis zu sechs Jahre, für Jugendliche und Erwachsene ausgeteilt. Die Landbevölkerung, die sich zumindest teilweise selbst versorgen konnte, erhielt geringere Rationen. Sogenannte Normalverbraucher machten 55 % der Empfänger aus, Kinder und Jugendliche 31 % und 14 % waren als Lang-, Schwer- oder Schwerstarbeiter eingestuft. 
Deutsche Juden waren von allen Sonderzuteilungen ausgeschlossen und erhielten ab Oktober 1942 keinerlei Fleisch- und Kleiderkarten. Die Rationierung der Lebensmittel verschärfte auch die Situation von Juden und anderen Personen die untergetaucht waren um der Verhaftung oder Deportation zu entgehen: Ohne Karten war ihnen die Beschaffung von Lebensmitteln kaum möglich; eventuell vorhandene Helfer konnten ihnen so gut wie nichts abgeben, da die Rationen zu knapp bemessen waren um davon noch eine oder gar mehrere versteckte Personen zu versorgen. (mehr dazu findet Ihr hier - ist gleichzeitig die Quellenangabe)

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Kriegsereignisse am 19.11.1944

  • Zur Eröffnung der “6. Kriegserzeugerschlacht” gibt der deutsche Reichsernährungsminister Herbert Backe “Richtlinien für die Arbeit im sechsten Kriegsjahr” für alle Landwirte heraus.
    U 570/HMS Graph, Aufnahme der HMS Graph
  • Die britische Admiralität bestätigt offiziell, dass ein deutsches U-Boot seit August 1941 für die britische Flotte fährt. Der Kommandant von “U 570” war vor drei Jahren mitsamt seinem Boot übergelaufen und hat seither mit großem Erfolg gegen die deutsche Seemacht gekämpft. (Quelle)
HMS Graph war ein britisches U-Boot des deutschen Typs VII C. Sein ursprünglicher Name bei Indienststellung war U 570, bei der Royal Navy trug es neben dem Namen die zusätzliche Ordnungsnummer P 715. Das U-Boot war das einzige deutsche U-Boot, das im Zweiten Weltkrieg von beiden Seiten eingesetzt wurde.
U 570 wurde am 21. Mai 1940 bei Blohm + Voss in Hamburg auf Kiel gelegt und unter dem Kommando von Kapitänleutnant Hans-Joachim Rahmlow am 15. Mai 1941 in Dienst gestellt. Danach gehörte das Boot für drei Monate zur Besatzungsausbildung der 3. U-Flottille in Kiel an, bevor es im August 1941 als fronttauglich nach Trondheim verlegt wurde. Am 23. August 1941 verließ das Boot Trondheim, um im Nordatlantik zu operieren und anschließend seine endgültige Basis in La Pallice im besetzten Frankreich anzulaufen.

Jetzt haben wir nur noch einen Brief im Dezember, den Agnes ihrem geliebten Alfons geschrieben hat, bzw. einen der erhalten ist. Es geht auf Weihnachten zu... genau wie wir hier mit unserem "Buch" (Blog). Bleibt gespannt auf den letzten Brief im Jahr 1944 und einer wirklich ergreifenden Geschichte, die danach folgen wird.

Sonntag, 20. November 2016

Kapitel 7 - Neunter und Zehnter Feldpost-Brief - Krieggeschehnisse

Meine Lieben,


Agnes griff hier wieder auf das Feldpost-Formular zurück. Scheinbar wurden diese Briefe eher zugestellt. Ich werde Euch beide Briefe abschreiben und danach alle Ereignisse wiedergeben. Agnes hat nicht so viel schreiben können, aufgrund des begrenzten Platzes. Auf der Welt passierte aber umso mehr.

Neunter Brief


Verl, den 15.11.44.

Mein lieber Alfons!

Noch zu später Stunde will ich Dir einen lieben Gruß ins Feld senden. Es ist nämlich schon 1/2 11 Uhr. Wir hatten heute große Wäsche (heute) bin auch ganz erledigt und todmüde. Doch bekam ich gestern einen lieben Brief vom 6.11. von Dir und heute erhielt ich einen vom 8.11. Ich habe mich sehr gefreut und will auch gleich heute noch antworten. Wie ich aus Deinen lieben Zeilen ersehe, geht es Dir noch gut. Von mir kann ich dasselbe berichten. In der letzten Woche habe ich nur einmal geschrieben. Ich hatte aber auch keine Zeit. Im vorletzten Brief habe ich Dir ja schon die Ereignisse der vergangenen Woche geschildert. Werde aber jetzt jede Minute ausnutzen, um Dir das Neuste aus der Heimat mitzuteilen. Wie Du schreibst, ist es dort schon furchtbar kalt und Du mußt so frieren. Lieber Alfons, ich habe Dir ein paar Pulswärmer gestrickt, nun bekomme ich von meiner Tante einige Zulassungsmarken. Werde sie Dir dann sofort schicken. Hoffentlich hast Du meine anderen Päckchen bekommen. Nun will ich schließen, denn meine Augen fallen mir zu. Nun sei für heute recht herzlich gegrüßt und geküßt
von Deiner Dichliebenden 
Agnes
Einen lieben Gruß von meinen Eltern u. von Paula.

Zehnter Brief


Verl, 17.11.44.

Mein lieber Alfons!

Noch zu später Stunde sende ich Dir recht herzliche Grüße. Am Mittwoch bekam ich Deinen lieben Brief vom 8.11. Ich habe mich sehr darüber gefreut und danke Dir herzlich. Wir hatten am Mittwoch große Wäsche und des morgens wollte alles nicht so klappen. Als natürlich der Briefbote mit einem lieben Brief von Dir kam, k ging alles noch eimal so schnell. Kannst mal sehen, wie das wirkt. Heute nachmittag war ich bei Euch zu Hause und habe Fleisch geholt. Deine Mutter hatte gerade ein Weihnachtspäckchen fertig gepackt und sie hatte keinen, der ihr das Packet zur Post brachte. Da habe ich es ihr mitgenommen. Sie hat mir auch noch ein paar Zulassungsmarken mitgegeben. Ich habe mich riesig gefreut, jetzt kann ich Dir auch  mal etwas schicken. Du hattest Deiner Mutter geschrieben, sie möchte Dir so ein paar Handschuh, nur m bis an den Daumen stricken. Die wollte ich Dir schon schicken. Ich habe Dir nämlich von Schafwolle solche gestrickt. Nun will ich aber mit dem Schicken noch etwas warten, wenn Du schließlich woanders hin kommst. Es wäre schade, wenn sie verlorengingen. Nun zum Schluß nochmals herzliche Grüße 
von Deiner Agnes.
Viele Grüße von meinen lb. Eltern u. Paula

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Nun die Kriegsgeschehnisse

Josip Tito und Churchill
(Wikipedia)

15. November 

  • Die Belieferung der jugoslawischen Befreiungsarmee unter Josip Tito mit Kriegsmaterialien erreicht einen Höhepunkt. In den vorangegangenen 48 Stunden transportierten 500 britische Flugzeuge 660 t Hilfsgüter in die von den Partisanen kontrollierten Gebiete.

    Dwight D. Eisenhower (1954)
  • Die französische Regierung überlässt vorübergehend dem alliierten Oberkommando unter US-General Dwight D. Eisenhower den Eiffelturm in Paris als Rundfunkstation.

  • Das Kriegsproduktionsamt der Vereinigten Staaten teilt mit, dass sich die täglichen Kriegskosten der USA auf rund 286 Millionen US-Dollar belaufen.

16. November 

  • Die Lebensmittel können im Deutschen Reich nicht mehr gleichmäßig verteilt werden, da das Transportsystem völlig überlastet ist. Dies geht aus einer Verlautbarung des Reichsernährungsstandes hervor.
Düren nach der Bombardierung (Quelle)

  • Um den amerikanischen Vormarsch in das Rheinland zu unterstützen, waren die rheinischen Städte Heinsberg, Jülich, Euskirchen und Düren bombardiert worden. Euskirchen und Düren hatte es dabei besonders hart getroffen.

17. November 

    Franklin Delano Roosevelt und
    Stanislaw Mikolajczyk
    (Bildquelle)
  • US-Präsident Franklin Delano Roosevelt teilt auf eine Anfrage des Ministerpräsidenten der polnischen Exilregierung, Stanislaw Mikolajczyk, mit, dass die USA keine Garantie für die Grenzen Polens übernehmen können.

  • Die Mitglieder des weiblichen Arbeitsdienstes werden im gesamten Deutschen Reich künftig zur Bedienung der Scheinwerfer bei der Flak eingesetzt; die freiwerdenden Soldaten gehen an die Front. (Quelle)

Allmählich gehen Hitler die Verbündeten aus und die Gegner schließen sich immer mehr zusammen. Es steht ein kalter und harter Winter bevor - da rückt man gerne zusammen.